Tanja Maschal - Portrait

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Interview
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Könntest du dich bitte kurz vorstellen?
Tanja Marschal mein Name. Moderatorin bei Antenne Düsseldorf. Ich wurde 1973 in Recklinghausen, im Ruhrpott geboren. Eigentlich wollte ich nach dem Abi zur Schauspielschule, war mir dann aber sicher, nicht genügend Talent zu haben und so ging's erst einmal an die Uni. Ich kann nur Sprachen, also blieb nur Lehramt Deutsch/Englisch übrig. Nach einem Semester war mir dann klar, dass ich niemals vor einer Klasse stehen will, also umschreiben auf Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Englisch. Eigentlich war auf dem Studiengang ein fetter NC, aber die Dame im Sekretariat hatte ihren ersten Arbeitstag, keinen Plan und eine hohe Stempel-Bereitschaft. Während des Studiums bin ich durch Zufall, über eine Freundin, beim furchtbaren Bürgerfunk in Recklinghausen gelandet. Da hab ich dann abends eine Musiksendung moderiert, oder sagen wir besser, habe ich versucht zu moderieren. Irgendwann bekam ich dann ein Stipendium für ein halbjähriges Studium in Wales. Dieses halbe Jahr hat dann mein Leben verändert. Nicht nur, dass ich die geilste Zeit meines Lebens hatte (Montag von 12-14 Uhr das Seminar "Detective Fiction" und dann, Wochenendeeeeee!), ich habe mich dort wahnsinnig verliebt. Da die Liebe aus dem Osten kam, ging es bald darauf für mich nach Magdeburg. Dort suchte ein Sender, der nur über Langwelle zu hören war (!), eine Moderatorin. (Ich glaube, die Frequenz gehörte mal den Russen und die haben diese dann, vermutlich per Handschlag an meinen damaligen Chef verschenkt). Da mich also eh keiner hören konnte, außer der Langwellen-Freaks, durfte ich dort anfangen. Learning by doing, das hat dann auch ganz gut geklappt. Von dort aus ging es dann zu einem Rocksender in Magdeburg, zu Radio Eins in Potsdam, zu einem Hitsender in Halle/Saale und anschließend zu Antenne Düsseldorf. Ich wollte zurück nach NRW, mein Chef hatte mich im Radio gehört und wollte mich. So bin ich dort nun schon seit fast acht Jahren...acht Jahre???? Oh Mann...!    


In NRW existiert ein deutschlandweit einmaliges System, nämlich der zentralistischen Verwaltung aller 45 Lokalradios, durch Radio NRW in Oberhausen. 
Was kommt von Radio NRW und was von Antenne Düsseldorf?
Von Radio NRW kommt vor allem die Musik. Wir bekommen zudem ein paar Korrespondentengespräche aus dem Ausland, aber ansonsten ist alles auf unserem Mist gewachsen. Zumindest in den Zeit von 6 bis 10 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. Dazwischen läuft das Programm von Radio NRW, weil es personell sonst nicht zu schaffen wäre. Alles, was man dann in unseren Sendungsstunden hört (egal ob Lokales, weltweite Politik, Wirtschaft, Sport), haben wir recherchiert und aufbereitet. Die Nachrichten zu jeder vollen Stunde kommen zudem von Radio NRW, die um halb immer von Antenne Düsseldorf. 


Bist du, als Moderatorin, für die Inhalte der Sendung selber verantwortlich, oder ist das Ausarbeiten eine Teamsache?
Teils, teils. Ein Drittel meiner Sendung wird von den Kollegen, oft am Nachmittag schon vorbereitet. Ich muss dann morgens drüber gucken, mir die Texte mundgerecht umschreiben und mich dann eben um den Rest der Sendung kümmern. Sprich: Morgens tagesaktuell sehen was passiert ist und das dann ins Programm nehmen. Das mache ich dann ganz früh morgens, zu einer unfassbar miesen Zeit, zusammen mit dem jeweiligen Frühreporter.
Wir sind immer zu dritt - inklusive Nachrichtenredakteur. Insgesamt sieht es so aus, dass bei uns alle alles machen (müssen).
Eine Woche ist der Kollege zum Beispiel Moderator am Nachmittag, die nächste Woche Reporter und dann die Woche ist er für die Nachrichten zuständig.   


Die Zeit der DAT-Kassetten, Stift & Zettel ist vorbei, wie funktioniert eure Studiosoftware und welche Funktionen unterstützen dich bei deiner Arbeit?
Boah, ich und Technik! Ich drücke da einfach immer auf die Knöpfe, so wie man es mir mal beigebracht hat... Es ist natürlich alles digitalisiert.
Die Musik kommt als mp3 über den Computer.
Und da wird auch alles andere eingespeist. Töne, Vorab-Interviews, alles per Knopfdruck. Die Software rechnet mir beispielsweise genau aus, wieviel Zeit ich habe, damit ich am Ende pünktlich zu den Nachrichten fertig bin. Haben wir also mal ein etwas längeres Gespräch, sagt mir der Computer: "Du musst jetzt das nächste Lied um 30 Sekunden kürzen!" (Er spricht natürlich nicht...) Oder er zeigt mir an "Moment! Das geht so nicht auf!
Du musst in der nächsten halben Stunde noch irgendwie insgesamt 42 Sekunden mehr reden, sonst hast du 42 Sekunden Fehlzeit." Hieße in dem Fall, Stille im Radio.
Im Prinzip sitzt man also jedes Mal vier Stunden lang höchst konzentriert im Studio und rechnet die ganze Zeit. Im Prinzip blöd, weil... ich kann ja nur Sprachen...! Die Software kann natürlich noch viel mehr, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.  


Spielen unterschiedliche Wochentage und Uhrzeiten für die Moderation eine Rolle? Sind die Leute am “allseits beliebten Montagmorgen” anders drauf, muss man sie da anders ansprechen, als am erfreulichen Freitag? 
Hmm. Ich denke ja, zumindest was den Moderator angeht. Für ihn ist es natürlich was anderes, ob er um 6 Uhr morgens Vollgas geben muss oder nachmittags um 14 Uhr. 6 Uhr auf Sendung,heißt ja nicht 6 Uhr aufstehen. Da klingelt der Wecker um drei, halb vier oder manchmal auch um vier,und dann muss man einen klaren Kopf haben, aufnahmefähig sein, konzentriert und schnell. Wenn dann die Sendung um 6 uhr los geht, heißt es wieder: Vier Stunden lang voll da sein, auch wenn man abends noch bis halb zwölf vor dem Fernseher hing, weil's Elfmeterschießen gab.
Dazu kommt dann noch die gute Laune, die man so früh haben muss. Niemand will morgens aus dem Radio angemeckert werden. Sicher will auch keiner hören, dass du verdammt müde bist und schlechte Laune hast oder Sorgen. Ist aber auch ok, da hat der Hörer ein Recht drauf. Ich will ja auch nicht an der Kasse angemotzt werden. Insofern denke ich, dass die Frühmoderation schon eine ganz andere Herausforderung ist, als die Sendung am Nachmittag. Da muss man die Leute nicht aus dem Bett holen und sie pausenlos mit Infos versorgen, da geht's dann schon ein wenig entspannter zu. Was aber nicht heißen soll, dass das ein 08-15-Job ist. Ganz im Gegenteil, was die Wochentage angeht - glaube ich, ist man am Freitag automatisch noch einen Tick ausgelassener und die bessere Stimmung kommt wie von selbst. Ansonsten mache ich mir wenig Gedanken über die Wochentage. Montags muss ich nur ein bisschen mehr Gas geben als sonst, weil eben auch für mich "der ungeliebte Montagmorgen" ist.


Siehst du in Internetradiosendern eine Konkurrenz zum herkömmlichen Sender?
Klar. Da wird noch einiges auf die herkömmlichen Sender zukommen in den nächsten Jahren. Bin selbst gespannt, wohin das führt. Bis jetzt sieht es zumindest noch so aus, dass viele dem guten, alten Radio noch treu bleiben. 


Radio war ein ursprünglich “live-Medium”, neuerdings stehen Teile deiner Sendung als Podcast zum Download zur Verfügung und sind so für einen längeren Zeitraum abrufbar. 
Verändert dies die Art zu senden, oder lässt du dich davon nicht beeinflussen?
Nö. Habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. Ist halt komisch, wenn man Sachen von sich hört, die ein Jahr alt sind, weil man dann immer denkt:
"Oh Gott, wie schlecht war das denn?Und wie klinge ich überhaupt?" Aber das ist dann ja auch wieder normal. Man verändert und entwickelt sich halt ständig.



Radio findet ja bekanntlich nicht nur Drinnen statt, hattest du interessante Außentermine?
Es sind viele dabei, bei denen man sich hinterher denkt: "Hey, das war cool!". Lasst mich kurz überlegen... Ja, als die Queen zu Besuch in NRW war.
Da stand ich damals mit Mikro am Rollfeld. Das hat Spaß gemacht. Ansonsten, meine ständigen Restaurantbesuche. Ich teste ja für Antenne und ich LIEBE gutes Essen und guten Wein. Vor allem sind off-air Moderationen auch echt super, zum Beispiel wenn da 20.000 Kids vor der Bühne stehen und nur kreischen, weil gleich der nächste DSDS-Kaspar auftritt und du musst die Nummer irgendwie moderieren... Horror und geil zugleich.  
 


In deiner Sendung hast du des öfteren prominente Gäste zu Besuch. 
Fällt dir spontan eine Geschichte dazu ein?
Spontan eigentlich nur das Interview mit der Band "Revolverheld", die anschließend bei "The Dome" auftreten sollte. Kurz davor hatten Monrose ihre Trennung bekanntgegeben und wir haben uns eine halbe Stunde lang nur darüber ausgelassen und uns kaputt gelacht. Das hat Spaß gemacht!
Oder die Fortunaspieler, direkt nach dem Relegationsrückspiel gegen die Hertha. Die haben die besten Sachen raus gehauen, leider nur wenn das Mikro aus war... Hätte man das gesendet, wäre die Hertha wohl noch 78 Mal in Berufung gegangen, aus lauter Wut...  



Hörst du privat noch Radio und falls ja, kannst du es genießen, oder hört die Moderatorin in dir mit?
Ha, ich muss lachen. Kaum!
Ich halte es meistens nicht lange aus, weil ich nicht "normal" hören kann. Entweder rege ich mich auf, was da für ein Vollspacken hinter dem Mikro sitzt, oder ich fühle mich ganz schlecht, weil ich denke: "Wow! Wie kann man so gut moderieren?" In jedem Fall ist es sehr unentspannt. 


Frau Marschall, Hobbys?
Fußball!!!!
Ich bin total fußballverrückt und seit der Geburt absoluter BVB-Fan. Kannste nix machen. Ist im Blut. Ich habe wirklich große Sympathien für die Fortuna und freue mich sehr, dass es mit dem Aufstieg geklappt hat,aber das Herz schlägt einfach schwarz-gelb. Ich habe eine Dauerkarte für die Südtribüne,Block 13. Da stehe ich bei fast jedem Heimspiel. Ich sehe zwar meistens nur in einer Halbzeit was (auf's Tor gegenüber), weil ich so klein bin, aber allein schon wegen der Atmo ist es das wert. Ich bin da auch nicht ganz normal. Ich schreie, fluche, heule, aber das tut gut. Im Prinzip mein Ausgleich für die Arbeit. Ansonsten liebe ich Wein und bin ständig bei irgendwelchen Weinseminaren oder -reisen, und gutes Essen! Man sieht's leider auch...


Hast du Pläne für die Zukunft?
Keine bestimmten, ich lass lieber alles auf mich zukommen.  


Gibt es etwas das du an Düsseldorf schätzt?
Die perfekte Mischung aus nicht zu groß und nicht zu klein machts. In Sachen Kunst, Kultur und Musik geht viel, es gibt so viele tolle Restaurants, Kneipen und echt schöne Ecken hier.


Beschreibe deine Arbeit in 3 Worten?
Spaß. Stress. Druck.


Nenne uns etwas, ohne das du nicht Leben könntest?
Freunde.


Hast du einen Lieblingsplatz in Düsseldorf?
Krass. Ich wollte gerade schreiben: Der Sender. Ist das echt so? Nein, das wäre schlimm. Gut, ich fühle mich dort wirklich sehr wohl, vielleicht auch, weil ich dort so viel Zeit verbringe und die Kollegen alle sehr mag, aber so richtig Lieblingsplatz? Überall dort, wo ich mit Freunden ein Bier trinken und mich unterhalten kann.


Dein Hauptcharakterzug?
Ich will immer, dass es allen gut geht. Deswegen bin ich wohl auch harmoniesüchtig und zu großzügig.


Dein größter Fehler?  
Puh. Ich bin zu lieb für diese Welt. Klingt blöd, ist aber leider so. 


Was wäre für Dich das größte Unglück?
Wenn der Familie oder Freunden was zustoßen würde. 


Hast du ein Vorbild?
Nicht wirklich. 


Wie geht es dir heute?
Super! Ich hatte frei, habe lange geschlafen, was Leckeres gekocht und gerade eine gute Flasche Wein aufgemacht. 


Dein Abschlusskommentar?
Danke für die bunten Fragen! 



Tanja Marschal - Antenne Düsseldorf - Kaistraße 7 - 40221 Düsseldorf
E-Mail: marschal @ antenneduesseldorf.de  
Homepage: http://www.antenneduesseldorf.de/web/sender/standards/team/tanjamarschal.php

 


Interview & Fotografie: Tobias Herx, Christian Laskawi, Julia Mischner

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