Philipp Komossa - Portrait

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Designer & Art Director


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Könntest du dich bitte kurz vorstellen?
Hallo, mein Name ist Philipp Komossa, ich arbeite allerdings unter dem Synonym "el rizo", sowohl im Designbereich als auch in der Kunst. Die Vorliebe für solche "Zweitnamen" ist wahrscheinlich ein Überbleibsel aus der Hip Hop- beziehungsweise Graffitikultur. So bin ich auch zur Grafik, und letztendlich auch zu meinem Beruf, gekommen. Das war in den frühen 90er Jahren. Ich habe von 2000 bis 2006 an der FH Düsseldorf Design studiert und danach relativ schnell gemerkt, dass ich nicht für ein festes Angestelltenverhältnis gemacht wurde. Seit Anfang 2009 bin ich selbstständig und geniesse es, denn ich habe ein großes Maß an kreativer Freiheit, in der ich mich (nicht nur grafisch) austoben kann.
 

Du bist eher der analoge Typ, man könnte sagen du erarbeitest 80% mit Stift & Papier, Farben, Schablonen und Sprühlacken und gehst erst sehr spät an den Rechner. Warum arbeitest du nicht wie andere Designer, von Anfang an am Computer?
Vollkommen richtig. ich komme zwar nicht mehr aus der Zeit, als Layouts aus ausgeschnittenen Bildelementen und Transferfolien zusammengeschustert wurden, dennoch steckte die Computerkultur noch in den Kinderschuhen (ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass sie gerade ihre Pupertät durchmacht), als ich mit der Grafik anfing. Mein erster Mac hatte eine Festplatte von 250 Megabyte. Das schränkt natürlich schon etwas ein. Zudem habe ich immer und das tue ich heute noch, den Computern misstraut, beziehungsweise ihnen nicht blind vertraut oder mich ihnen anvertraut. Der individuelle Charakter, sei es nun in Design oder Kunst, kann sich viel schwieriger herausbilden. Der "Ductus", der Pinselstrich, die Linienführung, das charakteristische und individuelle eines jeden einzelnen, geht immer mehr im Digitalgestaltungssumpf unter.

 
Vermisst du nicht manchmal die “rückgängigmachen” Funktion bei deiner Vorgehensweise? ;)
Haha, nein, diese Funktion vermisse ich absolut nicht. Aus Fehlern entstehen manchmal ungewollt die wunderbarsten Sachen. Im Leben gibt es ja auch keine z Tastenkombination und da ist es in der Grafik genau so wie im echten Leben: aus Fehlern lernt man!
 

Wir haben bei dir so gefühlte 40 Skizzenbücher aufgefunden, Hobby, Zwang, Ausgleich?
Welche Bedeutung haben diese Bücher für Dich?
Von allem etwas. Meine Skizzenbücher reichen ebenfalls zurück bis Anfang der 90er Jahre. Sie sind eine Kombination aus Tagebuch, Zeichenstudien und Sammelalbum. Alles, was mir in den Sinn kommt, schreibe ich auf, klebe ich ein oder zeichne es. Sie funktionieren wie ein grafisches Diktiergerät. Alles schnell draufsprechen, bevor man es vergisst. Wie viel von dem Kram man später (und das kann zum teil viel, viel später sein), tatsächlich gebrauchen kann, weiss man nicht. Aber es ist ein umfangreicher Fundus, aus dem man immer wieder schöpfen kann und das mache ich.
 

In deinen Arbeiten findet man viele fotografische Elemente, welchen Bedeutung hat für dich das Werkzeug Fotografie?
Die Photografie ist eines der Werkzeuge, mit denen man als Designer zwangsläufig arbeitet und es ist ein sehr dankbares Medium, besonders seit die Digitalphotografie sich durchgesetzt hat und die analoge Technik mehr und mehr verdrängt hat. Ich liebe es, eine Idee zu haben, die kurz auszuarbeiten, abzuphotografieren, schwuppdiwupp in den Rechner zu laden und innerhalb von einer halben Stunde ein fertiges Resultat vor Augen zu haben. Früher hat man alles geskribbelt, dank dieser wunderbaren Technik kann man sich das heutzutage häufig sparen. Man könnte sagen: photografie ist das neue Skribbeln. Allerdings gilt auch hier wieder: die digitale Technik nutzen, ohne sich in allzu große Abhängigkeiten zu begeben und auch, wenn es jede Menge Filter gibt, um den sSchnappschüssen vom Mobiltelefon ein altes und individuelles Aussehen zu verleihen, ein Polaroid-Filter ist kein Polaroid. Digital kann Analog immer nur versuchen zu imitieren.
 

Du warst in den vergangenen Jahren in diversen Agenturen fest angestellt und bist nun Freiberuflich tätig.
Endlich frei oder eher anstrengend?
Nein, ich war nach meinem Studium eigentlich nur bei einer Firma fest angestellt. Ich muss ehrlich sagen, die zwei Jahre haben mir auch gereicht. Dennoch ist es gut, verschiedene Arbeitsabläufe in verschiedenen Unternehmen mitzubekommen und daraus zu lernen. Letztendlich ist die Selbstständigkeit aber die einzige Form der Arbeit, in der ich mich wirklich wohl fühle.
 

Du bist mit deiner Freundin Melanie für sechs Monate an Südeuropas Küstenregionen entlang gereist.
Wie kamt ihr auf die Idee einen solchen Trip zu unternehmen?
Diesen Traum hatte ich schon seit längerer Zeit. Nachdem ich Ende 2010 mein Haus verkauft habe und mein Hausstand auf das Nötigste reduziert war, hatte ich die Freiheit für so einen Trip. Melanie fand die Idee super und hat sich angeschlossen. Wir haben uns dann einen schönen alten Mb100 gekauft und sind die Küste von Amsterdam bis nach Dubrovnik gefahren. Insgesamt haben wir 20.000 Kilometer zurückgelegt.
 

Gibt es ein ganz besonderes Erlebnis während eurer Reise von dem du uns erzählen magst?
Auf so einer langen Reise passieren einem natürlich viele tolle Dinge. Durch das Reisen verändert sich ständig auch die Umgebung, das Klima, die Leute und das Essen. Was für mich persönlich immer zu den Hhepunkten zählt, ist die Tierwelt. Wir haben unter anderem Adler, Flamingos, Delphine, Geier, Eidechsen, Schlangen und viele andere Tiere in freier Wildbahn gesehen. Im Nordosten Spaniens waren wir in einem Zoo, der in einem alten Steinbruch angelegt wurde. Hier hatte man den Eindruck, wirklich in der Savanne Afrikas zu stehen und die Tiere, ohne sichtbare Barrieren, beobachten zu können. Aber Iron Maiden live auf Europas größten Bikerfestival in Faro, Portugal, war auch ziemlich gut! ;)
 

Deine große Leidenschaft ist das Kochen.
Konntest du von der Reise Anregungen und kulinarische Tricks mit nach Hause nehmen?
Ja, definitiv. Spontan fällt mir Tomas, ein Winzer in der Nähe von Bordeaux ein. Er war früher Koch in einem Pariser Restaurant und von ihm kommt der wertvolle Tipp, bei Artischocken den strunk mit einem Handkantenschlag herauszutrennen und nicht zu schneiden, weil man so einen guten Teil der holzigen Fasern entfernen kann. Im Nordosten Siziliens haben wir sehr gut gegessen und ich hatte als Vorspeise eine Pasta mit Salsiccia, Mascarpone und zerstossenen Pistazienkernen. Klingt abenteuerlich, schmeckt aber absolut köstlich. Ich habe es einige Male im der Heimat nachgekocht und die leute waren, ohne Ausnahme, begeistert.
 

Nach so einer aufregenden Reise, was schätzt du am heimischen Düsseldorf?
Ausser meinen Freunden und dem Altbier habe ich nicht wirklich etwas vermisst. Dennoch bin ich Düsseldorfer und daher freut man sich auch, mal wieder in der Heimat zu sein.
 

Beschreibe deine Arbeit in 3 Worten?
Menschen, Tiere, Attraktionen.
 

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?
Neben Design und der kARTon-serie arbeite ich schon seit länger Zeit an einer Fotoreihe, die inzwischen formen annimmt. Es ist eine Hommage an die alten Zeiten und zeigt nur frontal abfotografierte Wände. Allerdings völlig ohne Graffiti. Die sind ja auf den Kartons.
 

Nenne uns etwas ohne das du nicht leben könntest ?
Ich denke, das man prinzipiell ohne alles leben kann. Hochachtung habe ich vor Leuten, die zum Beispiel querschnittsgelähmt und stark eingeschränkt sind und dennoch ihre Lebensfreude behalten haben und nach vorne blicken. Wichtig ist, dass man immer wieder dankbar dafür ist, was man hat und dass es einem gutgeht. Das ist nämlich nicht selbstverständlich.
 

Dein Lieblingplatz in Düsseldorf?
Auch wenn man von dort keinen Rheinblick hat, der botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität.
 

Dein Hauptcharakterzug?
Das können wohl aussenstehende besser beurteilen..
 

Dein größter Fehler?  
Ich bereue es bis heute, keine handwerkliche Ausbildung durchlaufen zu haben. Sowas wie Schreiner, Zimmermann oder Braumeister. Obwohl ich mich durchaus für technische Dinge begeistere und auch handwerklich begabt bin, muss ich doch vieles erst einmal ausprobieren, um zum optimalen Ergebnis zu gelangen. Da fehlen mir in vielen Bereichen einfach die Grundlagen. Auf unserer Tour zum Beispiel musste ich relativ viel an unserem Auto selber schrauben. Der positive Aspekt bei der Sache ist natürlich, dass man immer wieder auf Leute zugehen muss um nach Hilfe/Unterstützung zu fragen und so nicht nur dazu-, sondern auch neue Leute kennenlernt.
 

Was wäre für Dich das größte Unglück?
Prinzipiell wenn jemandem aus meiner Familie oder nahen Umfeld etwas zustossen würde. Ich habe früh meine Mutter verloren und weiss, wovon ich rede. so eine Erfahrung macht einen auf der anderen Seite natürlich auch in einer weise "immun" gegen die belanglosen Probleme des Alltags. So kann man selbst aus dem größten Unglück noch etwas positives herausholen.
 

Hast du ein Vorbild?
Ein direktes Vorbild habe ich nicht, dennoch eine Reihe von Leuten, die ich sehr bewundere. Besonders die großen Entdecker  (NICHT Eroberer) wie Alexander von Humboldt und Charles Darwin, die zu einer Zeit, in der Informationen und Humanität eher nebensächlich waren, die Gesamtheit und Zusammenhänge aller Dinge erkannten und, entgegen aller damals vorherrschender gesellschaftlicher Ansichten, die Kolonialpolitik und die Sklaverei auf das schärfste verurteilten. Vielleicht bin ich aus diesem Grund auch so ein großer Fan von Italowestern. Die klassischen gesellschaftlichen Auffassungen werden zum Teil ausgehebelt und statt schwarzweiss erscheint der Inhalt auf einmal in verschiedenen Grauabstufungen. Die klassische Verkörperung dieser "Antihelden" bildet neben Franco Nero in Django (den man als den ersten Italowestern überhaupt bezeichnen könnte) natürlich Clint Eastwood, der wohl coolste Mann aller Zeiten.
 

Wie geht es dir heute?
Bestens, vielen Dank. Ich habe etwas gearbeitet, mich mit Freunden auf einen Kaffee getroffen, meine Freundin vom Bahnhof abgeholt und bin heute Abend auf einem Geburtstag in einem Restaurant im Hafen eingeladen. life is good.


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ein Abschlusskommentar?
Um es mit den Worten von George B. Shaw zu sagen: "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute. seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben."



el rizo - philipp komossa | art director | düsseldorf | Telefon: 0177 85 22 494 | E-Mail: komossa @ elrizo.com |  www.elrizo.com


Interview & Fotografie: Christian Laskawi & Tobias Herx

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